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# Hamburg rockt wieder: Kettcar - Sylt
- URL: https://axiomatic-axolotl.pikapod.net/hamburg-rockt-wieder-kettcar-sylt/
- Published: 2008-05-05T17:24:23.000Z
- Updated: 2008-05-05T17:24:23.000Z
- Author: Tobe
- Tags: Musik, Tonträger, #Migrated-1786679302190, #wp, #wp-post, #Import 2026-08-14 03:48

"Man ist immer so alt, wie man sich liebt - da ist man dann besser allein" wird es einem dann auch gleich im ungewohnt eingängigen ersten Song "Graceland" folgerichtig vorgeworfen, doch es wäre nicht *Kettcar*, wenn das nicht zwei Strophen später gleich relativiert würde: "Das ist Graceland, Baby, ich bin einer von ihnen - es gibt ja auch ernsthaft keine Alternativen". Ähnliches Thema jedoch mit ruhigeren Tönen behandelt auch "Am Tisch", ein musikalischer Dialog zwischen Sänger *Marcus Wiebusch* und dem ehemaligen *Nationalgalerie*\-Kopf *Niels Frevert*, der vor ein paar Wochen ein ganz nettes, aber leider ziemlich belangloses Soloalbum veröffentlichte. Ein wirklich schönes Lied, das in seiner trunkenen Melancholie ein wenig an *Element of Crime* erinnert. Ein oder zwei Stücke mehr dieser Art hätten dem Album auf jeden Fall gut getan, stattdessen wird schlecht gelaunt weiter gerockt.

"Lieber peinlich als authentisch - authentisch war schon Hitler" muss man sich da im zugegebenermaßen fett rockenden "Kein außen mehr" anhören, ein klarer Tipp für die zweite Singleauskopplung. Und so quälen sich *Kettcar* von einem schwierigen Thema zum nächsten, ohne auch nur ansatzweise Lösungen zu präsentieren. "Geringfügig, befristet, raus" mit der Zeile "Sind jetzt alle gleich - nur weil wir alle gleich aussehen" taugt sehr gut zur Hymne des Anti Homo Oeconomicus. "Dunkel" thematisiert die Frustration Jugendlicher, ohne dass man sich danach auch nur ein Stück besser fühlen könnte. Leider scheint diese teils bleischwere Stimmung so sehr auf einigen Songs zu lasten, dass sie sich nicht aus dem Einheitsgrau des Albums lösen können. Lieder wie "Wir müssen das nicht tun" oder "Fake for real" sind wirklich schwere Kost und kaum zu ergründen. Zum Ende bekommen *Kettcar* dann noch die Kurve mit dem hymnischen Piano in "Würde" und dem explosiven (!) "Wir werden nie enttäuscht werden". Also, eine Handvoll sehr guter Songs, aber *Du und wieviel von deinen Freunden* bleibt klar die beste *Kettcar*\-Platte.  
(*6 Punkte*)

**Diskografie von Kettcar:**  
2002 - Du und wieviel von deinen Freunden  
2005 - Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen  
2008 - Sylt